Kampf gegen Schlankheitskult

Jugendschutz gegen Pro-Ana

Kampf gegen Schlankheitskult

Von Theresa Hübner

Jugendschutz gegen Pro-Ana: Kampf gegen Schlankheitskult
"Wenn du nicht dünn bist, bist du nicht attraktiv", lautet das erste "Gebot" der Anhängerinnen der Pro-Ana-Bewegung. Im Internet kursieren zahlreiche Seiten, auf denen Mädchen ihren Schlankheitswahn wie eine Religion ausleben. Die Organisation Jugendschutz.net kämpft gegen den unheimlichen Kult und warnt: Acht von zehn Pro-Ana-Webseiten sind gefährlich.

"Erlaubt mir, mich selbst vorzustellen. Anorexia Nervosa ist mein voller Name, aber du kannst mich Ana nennen. Hoffentlich werden wir gute Freunde." Mit diesen Worten beginnt "Anas Brief", der auf mehreren Hundert Webseiten, Blogs und Foren der sogenannten Pro-Ana-Bewegung steht. Die Foren tragen phantasievollen Namen wie "Federleicht", "Thinderella" oder "Fading Obsession" und propagieren einen exzessiven Schlankheitswahn als Lebensmotto. Die Abkürzungen Ana und Mia stehen dabei für die Essstörungen Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa.

Die meisten Seiten sind gefährlich

Jugendschutz.net hat die Magersucht-Communities unter die Lupe genommen. Der Bericht belegt: Acht von zehn der Pro-Magersucht-Seiten im Internet sind für betroffene Jugendliche gefährlich. Von 270 untersuchten Seiten verstoßen 80 Prozent gegen den Jugendschutz.

"Problematisch für Jugendliche sind Inhalte, die die Krankheit leugnen, ihre Folgen verharmlosen oder verherrlichen", erläutert Katja Rauchfuß von Jugendschutz.net. "Zum Beispiel Tipps, wie Jugendliche die Ess-Störung möglichst lange verheimlichen und sich noch weiter ins Untergewicht hungern können, oder welches Essen sich am leichtesten Erbrechen lässt". Hinzu kommen Fotos und Videos untergewichtiger Prominenter mit vermeintlichen Idealmaßen. Diese sogenannten "Thinspirations" kursieren zunehmend auch auf Communities wie Youtube und MyVideo.

 

"Vergiss alle, die versuchen dich von mir wegzureißen"

Die Recherche von Jugendschutz.net bestätigt, was jedem sofort klar wird, der einen Blick auf die Pro-Ana-Homepages wirft. Die Pro-Ana-Foren sind für essgestörte Besucher alles andere als eine Hilfe um in ein normales Leben zurückzufinden. Der "Brief von Ana", warnt Betroffene, die versuchen sich helfen zu lassen: "Wenn du dich entscheidest gegen mich zu kämpfen, jemanden zu erreichen und ihm zu erzählen, was ich aus deinem Leben mache, wird alles zusammenbrechen!! Also kämpfe nicht gegen mich. Beschleunige dein Tempo, vergiss alle, die versuchen mich von dir wegzureißen! Ich bin dein größter Gewinn und ich habe vor, sie von dir fern zu halten."

nathalie:"In meinem Leben vergeht kein Tag an dem ich nich an meine Figur und mein "Übergewicht" denke, das finde ich schlimm."

 

Jugendschutz.net setzt sich dafür ein, dass unzulässige Angebote im Web, die Ess-Störungen verherrlichen, geschlossen werden. "Insbesondere Provider können und müssen mehr gegen die Verherrlichung von Magersucht tun", fordert Rauchfuß. 70Prozent der gefährlichen Foren wurden bereits gelöscht. Derzeit erarbeitet Jugendschutz.net Tipps, wie Provider verantwortungsvoll mit Pro-Ana-Angeboten umgehen können.

Lässt sich Pro-Ana aufhalten?

Auch in anderen Ländern Europas wird der Kampf gegen den Schlankheitswahn verstärkt geführt. Spanien hat bereits 2006 die Beschäftigung von untergewichtigen Models verboten. Frankreich ging sogar noch weiter. Im April hat die Nationalversammlung ein Gesetz verabschiedet, dass die "Anstiftung zur Anorexie" unter Strafe stellt. Das Abbilden extrem dünner Models kann künftig mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 45.000 Euro geahndet werden. Auch Webseiten nach dem Pro-Ana-Schema sind nach dem Gesetz illegal.

 

Ob die Pro-Ana-Bewegung jedoch durch das Löschen der Webseiten aufgehalten werden kann bleibt fraglich. Die Foren und Blogs vermehren sich rasend schnell und ein neuer Provider lässt sich binnen Minuten finden.

http://www.zoomer.de/news/topthema/jugendschutz/jugendschutz-gegen-pro-ana/artikel/kampf-gegen-schlankheitskult

6.10.08 12:23

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